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Lebensort Schule

Die Schule stellt als Lebensort einen Schauplatz dar, an dem disparate, ambivalente, belastete und brüchige Lebensbiografien aufeinandertreffen. Situationen meiden, sich nichts merken können, unkonzentriert sein, verstummen, panisch und aggressiv werden, innerlich weggehen, Schwankungen in der Leistung zeigen – Kinder und Jugendliche mit Kriegs- und Fluchtbiografien fallen auf oder sind für andere unsichtbar. ,Existenzielle‘ Grenzerfahrungen können zu Einschränkungen im Denken und  Lernen führen und können als Krisenerfahrungen nur schwer in eine biografisch sinnhafte Ordnung eingebaut werden: Krieg- und Fluchterfahrungen können Sinn entziehen, Sinne enteignen, Zusammenhänge zerstören, die eigene Handlungsmächtigkeit erschüttern und die Verbindung zur Welt kappen.

Die vergangenen Ereignisse sind bei den betroffenen Kindern und Jugendlichen nicht vergangen, sondern Teil ihrer Gegenwart, von der die Schule als Lebens- und Lernraum fester Bestandteil ist und alltäglicher Ort, an dem sich Lern- und Verhaltensauffälligkeiten zeigen. Traumatische Lebenserfahrungen erfassen die gesamte Persönlichkeit und gehen daher oftmals mit Leistungsbeeinträchtigungen  und Lernunfähigkeit einher. Um zentrale Bedingungen schulischen Lernens (einschließlich Lernbereitschaft und Lernfähigkeit) angemessen berücksichtigen zu können, sind Lernprozesse stets in ein Netz didaktischer, pädagogischer, psychosozialer, entwicklungspsychologischer und machtkritischer Kontexte zu stellen. Ebenso bedarf es insbesondere für Kinder und Jugendliche mit vulnerablen biografischen Einschnitten Lernen als relationale, dialogische und somatische Erfahrung zu fassen, was ein kognitivistisch verengtes Lernverständnis weitet.

Die Lehrerbildung ist gefordert, bildungsstärkende Konzepte zu entwickeln, die auf der einen Seite lebensgeschichtlich belastete Schüler*innen beim Lernen mit ihrem Erfahrungshorizont sichtbar und verstehbar werden lassen - als bedingendes „Integrationsmoment“. Auf der anderen Seite stellt sich die Herausforderung dar, Lehrer*innen in der Bewältigung ihres Schulalltags zu unterstützen, der sie im Kontakt mit belasteten Schüler_innen vor allem emotional an die Grenzen ihrer Belastbarkeit  bringt.

Ziel unserer Weiterbildungen ist es vor dem Hintergrund eines fundierten Bildungsverständnisses an den Bedingung gelingender „Integration“ einerseits und an konkreten pädagogisch-didaktischen Unterstützungsmaßnahmen auf den verschiedenen schulischen Ebenen andererseits anzusetzen.

Auf der Grundlage aktueller wissenschaftlicher Diskurse werden für unterschiedliche Zielgruppen, handlungs-praktische Maßnahme ausgelotet, die sowohl die personale als auch die interaktive sowie die systemische Dimension einfangen. Das hier vorliegende Bildungskonzept ist modular aufgebaut und in der Umsetzung an die jeweiligen Adressat_innen orientiert.

Die Weiterbildungen werden durchgeführt und entwickelt von Mitarbeitern und Dozenten des Lehrstuhls für Schulpädagogik der Universität Augsburg, die parallel psycho- und traumatherapeutisch arbeiten.