Beratung - Seminare - Vorträge

Krise als Bildungsanlass

Anlass von Bildung ist nicht die „ruhige See“, sondern es ist das Brüchige, das Krisenhafte, das Differente, das Andere, das (heraus)fordert, irritiert, ins Wanken bringt und Veränderungen initiieren kann. Unser Verständnis der pädagogischen Beratung wendet sich in diesem Sinne den Dimensionen des Lebens und Lernens zu, die das Gewohnte, Automatische und Selbstverständliche übersteigen. Vorherrschende Deutungen über das Leben orientieren sich an steten Entwicklungen oder an einem kontinuierlichen Wachstum oder einem effizienten Fortschritt der Persönlichkeit. Für uns sind es vielmehr die Ungewissheiten und permanenten Entscheidungen, die den unsteten Formen der Erziehung (Bollnow), zu der auch die Beratung gehört, Bedeutung verleihen. Seien es überraschende Ereignisse, ein erkenntnishaftes Staunen, kreative Gegenwartsmomente oder die Schlagkraft der Erschütterung und Verletzbarkeit durch Krisen, die Gewohntes unterbrechen. Krisen erreichen das Innerste, berühren die Existenz. Beunruhigen. Sie  erfordern eine Hin-Wendung dessen, was ist, was irritiert, wodurch Lernen herausgefordert wird.

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Pädagog_innen sollen keine  Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten werden, sondern ihre Kernkompetenz professionalisieren, im Hinblick auf eine - auf demokratischen Werten basierenden - pädagogischen Beziehungsgestaltung, auf einem didaktischen Know-How über strukturelle und kumulative Lernprozesse sowie auf einer beraterischen Aufklärung im Zusammenspiel mit einer systemischen Vernetzungsarbeit. Vor dem Hintergrund der Heterogenität sind aktuell neben Sozialstatus, Geschlechtszugehörigkeit und individuellen Eingangsvoraussetzungen vor allem  Migrationshintergrund zentral für den Bildungserfolg. Hierzu zählt vor allem auch das Moment der belastenden Lebenserfahrungen und kritischen Lebensereignissen, welche eine stark strukturierende Wirkung auf Bildungsverläufe und Bildungserfolg haben und aktuell aufs Engste mit Migrationshintergrund (z.B. Flucht, Vertreibung, Entwurzelung) verbunden sind. Ziel ist es, diesen Aspekt der „belastenden Lebenserfahrungen bei Kindern und Jugendlichen“ für das Leben und Lernen in Bildungseinrichtungen zu fundieren, in das pädagogische Bewusstsein zu bringen und diese Kategorie für eine professionell pädagogische Kultur des Dialogischen, Werteorientierten und Gestaltenden zu öffnen.

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