Beratung - Seminare - Vorträge

Differenzverhältnisse im Blick

Werden Differenzen zwischen Menschen, also ihre Unterschiede behauptet und gesetzt, dann entspricht dies nicht einer Abbildung von wirklichen Unterschieden, sondern einer Herstellung der Andersheit der Anderen. Dies ist verbunden mit machtvollen Wirkungen, die Menschen als Spezifische, als „person of-color“, als „Frau“, als „Schwuler“ oder als „Behinderte“ etc. in ihrem Selbst- und Fremdverständnis erst hervorbringen. Diese Deutungsmuster, Erlebensmodi und Zuschreibungen gehen nicht nur „unter die Haut“ eines Einzelnen, sondern sind tief eingelassen in die gesellschaftliche Matrix von Differenz- und Machtverhältnissen: und diese bestimmt wer anerkennbar ist und wer nicht. Die Ordnung des Rassismus wie auch die des Sexismus gründet in der binären Logik der Über- und Unterordnung und durchzieht die Erfahrungsräume eines jeden, mal mehr mal weniger, mal akuter, mal leiser, mal mit geballter Schlagkraft, mal als Hintergrundrauschen. So ist beispielsweise auch der Bildungs- und Erziehungsdiskurs durchwoben von der Annahme, dass eine „kulturelle Identität“ geografisch gekoppelt sei mit einem Ort, was erst zu der Aussage führt, „hier nicht richtig zu sein“. Auch die Beratungswirklichkeit ist ein soziales Geschehen, in dem aus Individuen spezifische Subjekte werden, d.h. in dem auch „Identitäten“ zugeschrieben werden. Gerade deswegen kann auf eine explizite rassismus- und sexismuskritische Perspektive nicht verzichtet werden, die sich einer Anerkennung anderer Seins- und Lebensentwürfe zuwendet und ein einfaches einteilendes Denken unterläuft. Eine Reflexion dieser Thematik kann der einzelne pädagogisch Handelnde nicht leisten, jedoch kann in einem reflexiv kritischen Feld über Grundlagen differenzsensitiven Handelns nachgedacht werden.